Ein (Wahl)kampf für Bildung

Die Zeiten ändern sich, die Bildungsministerin wurde entlassen aber das neue Schuljahr startet, wie alle anderen Jahre auch. Nach der Schulreform auf dem Papier vollzieht sich der Wandel nach und nach und hat nicht nur Sonnenseiten.

Bildung ist wieder ein Modethema, spätestens seit dem die Parteien sie als Wahlkampfthema entdeckt haben. Frank-Walter Steinmeier, der Kanzlerkandidat der SPD, legte in verschiedenen Reden die Wichtigkeit der Bildung einleuchtend dar und schrieb sich und seiner Partei die Förderung der Bildung auf die Fahnen. Bildung müsse kostenfrei sein, das sind hochtrabende Worte und soll ja auch schon gang und gäbe sein.

Bildung darf nichts kosten

Das sehen die Eltern mit mehreren Kindern und sozial schwächeren Stadtteilen eher anders. Da  müssen schon ein paar Euros berappt werden, am Anfang eines Schuljahres. Es muss eine neue Rundumausstattung her, die nicht ganz billig ist, dabei muss dann der Balanceakt geschafft werden, den eigenen Sprössling davon zu überzeugen, dass es weder die HSV- noch die Hannah Montana Collection sein muss, sondern dass es die  einfache und preiswertere Rucksack-, Turnbeutel-, Federtasche- und Radiergummi-Variante auch tut. Doch das war noch lange nicht alles. Die passenden Arbeitshefte zu den Schulbüchern müssen angeschafft werden, ein Atlas und dann steht noch eine Kennenlernenfahrt auf dem Programm. Glücklich kann da nur der Großverdiener sein, denn allen anderen schlägt so ein Schulanfang ganz schön auf den Geldbeutel. Schöne kostenfreie Bildung.

Der Lehrer in der schönen neuen Medienwelt

Doch nicht nur die Kosten stehen im Wahlkampfinteresse auch die Qualifizierung der Lehrkräfte, damit sie die Schüler auf die Herausforderungen der modernen Gesellschaft vorbereiten können – einer Gesellschaft von der viele in die Jahre gekommenen Beamten nicht ganz so viel verstehen. Social Networks, Onlinespiele und Cyber-Mobbing sind in deren Ohren böhmische Dörfer und ihr durch einschlägige Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gewonnener Erfahrungsschatz ist vorsichtig ausgedrückt ungenügend. Einige von ihnen teilen tapfer alle Jahre wieder ihre handschriftlich oder mit Schreibmaschine geschriebenen Arbeitsbögen aus den verstaubten Ordnern und scheren sich nicht drum, dass diese noch in alter Rechtschreibung verfasst sind. Jegliche Beschäftigung mit dieser Welt liegt ihnen fern, denn sie müssten dafür etwas von ihrer wertvollen Freizeit opfern, da Fortbildungen mit Vorliebe am Nachmittag stattfinden.

Doch in den überalterten Kollegien findet man auch stellenweise jüngere und frischere Gesichter. Doch nicht alle sind so, es gibt auch eine Menge engagierte ältere LehrerInnen die sich bereitwillig auf die neuen Medien einlassen und sich mutig durch die ihnen vorher unbekannten Dimensionen kämpfe. Sie lassen sich weder von Dienst-Emailadressen abschrecken, noch schockt sie die Onlineanmeldung für Fortbildungen.

The Next Generation

Doch was ist mit der nachfolgenden Lehrergeneration? Der wird es nicht leicht gemacht, zu wenige Referendariatsplätze, Mentoren die in den achtzigern stehe geblieben sind und eine Vorbereitung durch das Studium, die im Schulalltag so nützlich wie eine Wärmflasche in Afrika ist. Sie landen dann in Klassen mit diversen Förderschulkindern, die eigentlich gar nicht beschulbar sind und es als normal empfinden wegzulaufen, ganze Unterrichtsstunden durchzuschreien oder aggressiv zu werden. Früher wurden sie an speziellen Schulen betreut, doch das ist im Sinne der Inklusion nicht mehr nötig. Heute stehen in vielen Fällen noch nicht einmal Förderlehrer bereit, die die Regelschullehrer unterstützen, irgendwie wird es schon gehen.

Prima, dass in Bildung investiert werden soll, dann kann die Schulreform, die auf dem Papier so gut klingt, endlich auch in der Realität umgesetzt werden und die Umgebungsvariablen entsprechend optimiert werden. Wenn das Steuergeld erstmal im richtigen Topf ist, dass wird das schon laufen … oder man rettet eben mal wieder ein paar Banken.

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