Kolumne: Valentinstag

Wer heute nichts besseres zu tun hat, könnten wahlweise der Ankunft Jesu als himmlischer Bräutigam zur Himmlischen Hochzeit oder dem katholischen Heiligen Valentin von Terni gedenken, oder aber seiner oder seinem Liebsten ein kleines Präsent überreichen, seine Liebe schwören und einen romantischen Abend verbringen.

Mit kirchlichen Traditionen hat der Valentinstag in heutiger Zeit nicht mehr viel zu tun. Wahrscheinlich weiß kaum jemand um seinen frommen Hintergrund, denn der Tag ist den meisten von uns vor allem deshalb bekannt, weil er einen guten Grund bietet seinem oder seiner Liebsten ein kleines Geschenk zu machen. Für Personen, denen es schwer fällt, an irgendeinem beliebigen Tag seine Zuneigung durch ein Geschenk auszudrücken, sicher eine willkommene Institution, aber auch nach wie vor häufig kritisiert. Jedoch ist es für einige unter uns durchaus Schenkwilligen gar nicht so einfach etwas Passendes zu finden. Soo gut kennt man das Subjekt der Begierde ja nun doch nicht, schließlich gehört es ja dem unverständlichen Geschlecht an. Dann bleibt nur eins, nämlich virtuelle Mehr-oder-weniger-Freunde um Unterstützung zu bitten, und wo geht das besser als in einem Forenthread. Böse Zungen würden das als Armutszeugnis verstehen, aber zählt nicht allein der Gedanke? Man muss aber, je nachdem in welcher Art Forum man gefragt hat, auch schon mal mit romantischen Geschenkideen wie „ein Kinogutschein für Rambo 4“, „ein flug mit dem roflcopter nach disneyland“ oder „ne Wärmflasche“ rechnen.

14689.250x600Doch der Valentinstag bringt auch andere Merkwürdigkeiten hervor. Ein Schweizer Unternehmen, das Seitensprungzimmer vermietet, hat sich für den Valentinstag etwas ganz besonderes einfallen lassen und vermietet die Zimmer, in denen sich sonst untreue Partner tummeln, für Ehepaare zum Nulltarif. Die Begründung für diese noble Geste gibt der Geschäftsführer: „Der Anteil der verheirateten Paare, die mit einer besonderen Liebesnacht in einem unserer Zimmer etwas mehr Spannung in ihr Liebesleben bringen, steigt stetig“, diese sollten nun dafür belohnt werden, dass sie etwas für ihre Beziehung tun. Nun gut, ob das so motivierend ist, sei dahingestellt.

Vielleicht ist es dann doch besser, sich anderweitig neue Ideen zu holen, die mehr Schwung ins Schlafzimmer bringen. So werben diverse Sexspielzeughersteller seit neustem mit ökokorrekten Sexspielzeugen. Na wenn das kein Beitrag zu einer besseren Umwelt ist, da weicht man doch gern auf Dessous aus Bio-Baumwolle, Bio-Seide oder Hanf aus, bedient sich fair gehandelter Schokolade für diverse Situationen oder benutzt einen Fichtenholzdildo mit umweltfreundlichem Lack, der den sexy Namen „Fuchsschwanz“ trägt.

Da es ja aber nicht immer nur um Sex geht, sondern bei einigen auch noch um wahre, ewig dauernde Liebe geht, seien den Frommeren unter euch spezielle Segnungsgottesdienst für Verliebte in diversen thüringischen Kirchen ans Herz gelegt. Mit Musik, Meditation, Gebet und Segensworten geht es in den Gottesdiensten um das Wunder der Liebe.

rosenNun aber den Valentinstag auch noch einmal in Zahlen; die DHL transportiert zum Valentinstag 15 Millionen Blumen aus Lateinamerika. 63% aller in die USA exportierten Blumen werden am 14. Februar, dem Valentinstag, ausgeliefert. Wollen wir doch mal hoffen, dass die Blumen nicht von pestizidverseuchten Kindern gepflückt, sonder fair gehandelt wurden.
63 Prozent der Männer überraschen mit einer Reservierung in einem romantischen Restaurant, und 34 Prozent organisieren Karten fürs Theater, die Oper oder ein Konzert. Einladungen, rote Rosen oder einfach eine kleine Süßigkeit gehören für neun von zehn Männern ganz selbstverständlich zum Valentinstag.

Der Valentinstag hält für manch armen naiven Email-Empfänger aber auch weniger freudige Überaschungen bereit, denn wer kann schon einem Topic wie „Happy Valentine’s Day!“, „You’re my Valentine!“ oder „You’re Super Sweet.“ widerstehen, auch wenn die kleine süße Valentine.exe ganz harmlos aussieht, kann sie eine ganze Menge Schaden anrichten. Deshalb wird dieser Tag nur zu gern von Menschen mit zerstörerischen Absichten genutzt, schließlich gibts ja noch genug naiv klickende Verliebte.

ss10Wer nun denkt, er könne sich in das Spiel seines Vertrauen zurückziehen, die Liebenden da draußen ihren Spaß haben lassen und sich einzig und allein auf das Erreichen von Level 70 konzentrieren, hat sich geirrt, denn auch in Azeroth steht alles unter dem Bann der Liebe. Eine merkwürdige Liebeskrankheit ist ausgebrochen, die sich durch über den Köpfen schwebenden Herzchen bemerkbar macht, die gut zu den mit Bändern, Blumen und Herzchenbannern Städten passen, auch hier verkaufen Gastwirte für wenig Geld nur zu gern Liebesgeschenke, die dann an verliebte NPC verschenkt werden können.

Für alle, die den Valentinstag verabscheuen, gibt es noch einen Ausweg und zwar könnten sie einfach nach Saudi-Arabien ziehen. Dort hat der Großmufti Scheich Abdul Asis el Scheich vor sieben Jahren den Valentinstag als „heidnisches Christenfest“ verboten. Nun wacht die Religionspolizei Muttawa argwöhnisch über alle Ladenbesitzer, dass nur ja keiner von denen auf die Idee kommt, in diesen Tagen ein romantisch anmutendes Geschenk in seiner Auslage zu platzieren. Ein Paradies für alle Valentinstaghasser.

Also in diesem Sinne, tut was für die Weltwirtschaft und beschert den Floristen, Restaurantbesitzer, Naschiverkäufern oder Sexspielzeughersteller einen ökonomisch wertvollen Tag. Happy Valentine’s day !

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