Vorbilder, Ideale und Idole

Mathias Klingner  / pixelio.de

Mathias Klingner / pixelio.de

Manche Unterrichtseinheiten machen so viel Spaß, dass man einfach darüber schreiben muss. So wie die nun fast abgeschlossene über Vorbilder und Stars im Fach Weltkunde mit meiner achten Klasse. Um uns erst einmal auf das Thema einzustimmen, haben wir uns überlegt, was Menschen für andere interessant und besonders macht, unabhängig vom Äußeren der Person. Dann sollten die Schüler sich überlegen, welche Menschen aus den Bereichen Musik, Film & Fernsehen, Politik, Wissenschaft & Kunst und Sport für sie besonders positiv sind. Schon da erlebte ich meine ersten Überraschungen, denn ich hatte nicht damit gerechnet, dass zu Politik sowie Wissenschaft & Kunst so viele interessante Nennungen kommen.

Leider habe ich an diesem Tag vergessen, die Tafel zu fotografieren, was mich im Nachhinein sehr ärgert. Unter anderem standen da Che Guevara, Nelson Mandela, Obama, Angela Merkel, J.F. Kennedy, Beethoven, Leonardo da Vinci, Newton, Edvard Munch, Galilio Galilei, Thomas Edison und viele andere mehr. Die nächste Überraschung erlebte ich bei den Musikern, denn ich hatte dort einen lustigen Reigen der angesagten Ghettorapper erwartet, aber nix da, „die sind nämlich nicht besonders, sondern machen nur das nach, was die Legendenrapper erfunden haben“ und die standen da auch alle: Dr. Dre, Snoop Dog, Eminem und natürlich Tupac.

Im nächsten Schritt sollte sich jeder Schüler eine berühmte Persönlichkeit aussuchen, um sie näher unter die Lupe zu nehmen und dazu eine kleine Präsentation oder eine schriftliche Ausarbeitung anfertigen. Um die Qual der Wahl zu erleichtern, hatte ich verschiedene Listen ausgehängt, auf denen die bedeutendsten Personen der letzten paar tausend Jahre in unterschiedlichen Anordnungen aufgezählt waren. Der überwiegende Teil der Schüler hatte sich dann für die mündliche Variante entschieden und so hörten wir in den letzten Wochen vor den Weihnachtsferien interessante Präsentationen über Julius Caesar, Buddha, den Propheten Mohammed, Bill Gates, Che Guevara, Galilio Galilei, Nelson Mandela, Satoru Iwata (Präsident von Nintendo), Tsai Lun (Erfinder des Papiers), David Belle (Erfinder der Sportart Le Parkour), Jesus, Napoleon, Beethoven und Steve Jobs. Als schriftliche Ausarbeitung bekam ich noch zwei Mal den Propheten Mohammed, Che Guevara, Isaac Newton, Leonardo da Vinci, J.F. Kennedy, Martin Luther, Obama und Juri Gagarin. Einige Präsentationen waren so gut recherchiert, dass ich eine Menge Neues gelernt habe, was mich immer besonders freut.

Zusätzlich sollten die Schüler einen Steckbrief ausfüllen, auf dem sie begründen sollten, ob diese Person für sie ein Vorbild ist oder nicht. Hier ein paar Kostproben im O-Ton ohne Rechtschreibfehler:

  • Satoru Iwata: Ja, weil er sich früh für die Kreation von Videospielen interessierte.
  • Che Guevara: Ja, er ist der größte und bekannteste Revolutionär der Neuzeit.
  • Leonardo da Vinci: Ja, weil er viele Leute zum Zeichnen, Malen inspiriert hat.
  • Galilio Galilei: Ja, weil er hat das neue Weltbild und den Sternenhimmel entdeckt und viele Sachen erfunden.
  • Julius Caesar: Nein, weil er von der Macht besessen war und ja, weil er schlau war und es bis ganz nach oben geschafft hat.
  • Jesus: Ja, weil er offen, gerecht, mitfühlend, demütig und selbstbeherrscht ist.
  • Juri Gagarin: Ja, weil er der erste Mensch im Weltraum war und die Erde umrundete, weil er gut in der Schule war und weil er Russe war.
  • Issac Newton: Ja, weil er ein nicht sehr guter Schüler war und trotzdem was erreicht hat und nie aufgegeben hat.
  • Steve Jobs: Ich bin mir nicht sicher ob er ein Vorbild ist. Vielleicht für seinen Beitrag in der Mitgliedschaft bei Apple, andererseits ging er nicht sehr gut mit Menschen in seinem Umfeld um.
  • Bill Gates: Ja, weil er eine sehr gute Firma besessen hat und weil er Menschen in Afrika hilft.

Nach dem Weihnachtsferien habe ich die Schüler dann gebeten, sich an die Präsentationen zu erinnern und sich eine Person (nicht die eigene) auszusuchen, die für sie am ehesten als Vorbild taugen würde und auch das zu begründen. Außerdem sollten sie ein wirkliches eigenes Vorbild kurz benennen und erklären, warum dieser Mensch für sie ein Vorbild ist. Auch hier waren wieder ein paar echte Highlights dabei:

  • Meine Mama, weil sie mich zur Welt gebracht hat und alles für mich ist: Arzt, Superkoch, Putzfrau, Beratungsstelle, Freundin usw. und keine Ahnung, wie sie das alles auf einmal schafft …
  • Meine Mama ist für mich ein Vorbild, weil sie sich gut um sorgt … sie hat 6 Kinder auf die Welt gebracht und das heil und gesund … und kann super kochen.
  • Mein Opa, weil er viel Gutes tut, nett ist und hilft mir, wenn ich Hilfe brauche, und schenkt mir was und auch Menschen hilft.
  • Mein Vater, weil er an seinen Traum geglaubt hat und nicht aufgegeben hat. Sein Traum war, nach Deutschland zu kommen und in einem Haus zu leben, er hat an seinem Ziel gearbeitet und es erreicht.
  • Meine Mum, sie schafft viel, kann kochen, auf Kinder aufpassen, Haushalt machen, Sport treiben, zum Deutschkurs gehen, danach arbeiten und zum Schluss noch lernen.
  • Mein Onkel, weil er für sein land kämpft, er ist kurdischer Soldat und kämpft gegen andere, wenn es nötig ist.
  • Mein Opa, weil er allein sein Traumhaus gebaut hat, ohne Hilfe, das muss man erstmal schaffen. Er hat 3 Jahre gebaut, bis er sein Haus fertig hatte und musste dabei noch als Fischer arbeiten, das finde ich voll gut.
  • Mein Vater, weil er sportlich ist und gut kochen kann.

Und da soll noch mal jemand sagen, diese Jugend habe keine richtigen Vorbilder. In den vielen Unterrichtsgesprächen zu diesem Thema ist mir sehr deutlich geworden, dass zumindest diese Gruppe von Jugendlichen sehr reflektiert auf ihre Stars schaut und zwischen Idol und Ideal unterscheiden kann.

Elemente von sozialen Netzwerken übertragen Daten, ohne dass sie tatsächlich angeklickt werden. Aus diesem Grund musst du bei uns den Button vor der Benutzung erst aktivieren.

3 Gedanken zu „Vorbilder, Ideale und Idole

  1. Pingback: Wir und unsere Vorurteile « … schreiben …

  2. Pingback: Wochenabrechnung | Iron Blogger Skellige

  3. Und da soll noch mal jemand sagen, diese Jugend habe keine richtigen Vorbilder.

    Sollte heißen: Und da soll noch mal jemand sagen, diese Jugendlichen haben keine richtigen Vorbilder.

    Sehr anregender und zum schmunzeln anregender Beitrag. Interessant ist dabei, die gemachten Aussagen nach einer gewissen Zeit noch einmal einzuholen um eine Entwicklung fest stellen zu können ??

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.