Hausspinne vs. Stubenfliege – 1:0

Karikatur Spinne und FliegeEben gab es das Ende eines mehr als zwei stündigen Kampfes zwischen einer Stubenfliege durchschnittlicher Größe und einer kleinen Spinne, die weniger als halb so groß ist, zu sehen.
Während ich gemütlich im Internet rumsurfte entdeckte ich am schrägen Dachfenster kurz neben meinem Hochbett eine Stubenfliege die verwirrt herumflog, so wie es Fliegen eben tun. Wie immer dachte ich mir nichts dabei, bis ich am Fensterrahmen eine winzige Spinne entdeckte, die sich immer mal wieder der Fliege näherte. Fliege hatte aber nichts Besseres zu tun als immer mal wieder zu fliegen und Spinne krabbelte rum und schaute interessiert. Wahrscheinlich dachte sich die Fliege, wenn sie überhaupt denken kann, dass das kleine Ding ungefährlich ist.

Nach einiger Zeit fing das Fussballspiel Argentinien gegen Mexiko an und ich verlor die beiden aus den Augen und aus dem Sinn. Zur Halbzeitpause entdeckte ich die beiden wieder an der Scheibe und die Spinne näherte sich der Fliege direkt von vorn, die sich wieder mal nicht beeindrucken ließ, doch das war im Verlauf der Geschichte wohl ein verhängnisvoller Fehler. Spinne bereitete sich langsam vor, sponn hinter sich ihr Bungeeseil und sprang entgegen der Schwerkraft in Richtung Fliege. Diese wich aus und Spinne zog sich am Seil hoch. Spätestens jetzt musste Fliege doch wissen, dass sie sich eventuell in eine Mahlzeit verwandeln könnte.

Immer wieder schaute ich interessiert vom Monitor hoch in Richtung Fenster, wo nach einer halben Stunde Spinne erneut langsam seitwärts um Fliege herumkroch und den nächsten Angriff plante. Wieder das gleiche Spiel, Seil an Scheibe verankern, langsam vortasten und Sprung. Diesmal war der Angriff wohl zum ersten Mal erfolgreich, aber Fliege entkam erneut. Den Erfolg entdeckte ich erst einige Minuten später, da Fliege sichtlich verwirrt umher tapste, und ihr Körper bei jedem Schritt vibrierte. Anscheinend war dies nun der Auftakt, bei dem Fliege übermutig wurde. Sei es nun das Gift oder irgendein natürlicher Reflex. Sie versuchte nicht zu fliehen oder zu fliegen, sondern näherte sich nun selbst immer wieder der Spinne.

Ungefähr zehn Minuten später sollte es zum nächsten Angriff kommen. Spinne saß in der Ecke des Rahmens, von der Dunkelheit geschützt und überlegte, wie sie die übergroße Beute doch noch erlegen kann. Also begann sie einen großen Marsch um den Rahmen herum und Fliege krabbelte unbeeindruckt, aber dennoch zuckend über die Scheibe. Nach einer ganzen Fensterrahmenrunde ging Spinne erneut in die offensive und begann ihr Spiel erneut.
Doch diesmal flüchtete das vermeintliche Opfer schon als der Gegner sich auf fünf Zentimeter genähert hatte. Also wieder zurück zum Rahmen und abwarten. Fliege ruhte an der Scheibe und Spinne setze noch einmal ihren beindruckenden seitwärts Schleichlauf an. Spinnfaden war gesetzt und der Sprungangriff traf ins Schwarze. Es war sicher, dass dieser nächste Biss gut war, da Fliege hiernach nur noch mehr beim Laufen zuckte. Dieses Zucken wirkte auf mich als Beobachter mehr wie ein vibrieren, doch warum sollte eine Fliege anfangen zu vibrieren?
Es gab wieder eine lange Pause, die mich dazu brachte meinen Blick auf den Kampf auf dem Spielfeld zu richten. Als ich nach einiger Zeit allerdings zur Scheibe blickte, saß Fliege nur noch apathisch rum und Spinne näherte sich. Nach einer kurzen Bewegung von Fliege zog sie sich zurück. Es gingen weitere Minuten ins Land, bis die Spinne ganz frech und siegessicher frontal auf Fliege zu kroch, das Bungeeseil fixierte und zu einem letzten finalen Satz ansetzte. Die Fliege wurde direkt erwischt und wollte fliehen, doch der klebrige Spinnfaden verhinderte die Flucht und im Herumhängen wickelte Spinne sie vollends ein. Während die Fliege ein letztes Mal versuchte sich zu befreien, stürzten beide in die Tiefe. Ich stürzte hinterher um zu schauen wie der Kampf ausging. Auf dem Fussboden wurde die Gegenwehr der Fliege langsamer und langsamer. Spinne fing an ihr Opfer mühsam in Richtung Heizung zu ziehen. An dieser Stelle beendete ich meine Beobachtung um Spinne in Ruhe fressen zu lassen und um das ganze einmal für die Nachwelt festzuhalten.
Das beeindruckende an diesem mehr als zweistündigem Schauspiel ist, dass der Räuber grad mal halb so groß wie das Opfer war, und dieses niemals eine wirkliche Flucht versuchte. Fliege kehrte immer wieder nach einer direkten Attacke in die Arena der umgedrehten Schwerkraft zurück.
Vielleicht wollte sie die Spinne müde spielen oder sie ist einfach nur dumm gewesen. Die zweite Möglichkeit halte ich für wahrscheinlicher, denn wer wandert nach einem direkten Biss zurück zum Angreifer, wenn man selbst absolut keine Waffen hat? (falls ich nur zu wenig Ahnung von Fliegen habe, möge man mir verzeihen)
Es könnte allerdings auch sein, dass das Spinnengift genau dieses Verhalten provoziert, Selbstüberschätzung und Dummheit, obwohl man angeschlagen ist.

..also Vorsicht, wenn ihr beim nächsten Fussball gucken betrunken jemandem gegenüber treten solltet, der euch nur bis zur Hüfte reicht.
Ihr könntet als Abendbrot enden 😉

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