Fazit

12. Persönliches Fazit

Computerspieler – potentielle Amokläufer oder normale Menschen?

Bevor ich mich dem persönlichen Fazit widme, möchte ich ganz kurz noch einmal die wichtigsten Fakten wiederholen, die sich im Rahmen der Recherche ergeben haben.

1. Die schädigende Wirkung von gewalthaltigen Computerspielen ist durch experimentelle Untersuchungen weder eindeutig belegt noch widerlegt worden.
2. Die Eltern-Involviertheit spielt eine wichtige Rolle wenn es um gewalthaltige Computerspiele geht, da sicher gebundene Kinder weit weniger unter Desensibilisierungserscheinungen leiden als unsicher gebundene Kinder
3. Amokläufer sind häufig labile Persönlichkeiten und dem Amoklauf gehen oft Geschehnisse voraus, deren Entwicklungen dem potentiellen Amokläufer das Gefühl vermitteln, sein Leben wäre nichts mehr Wert, da er keinen Ausweg aus der Problemsituation sieht.
4. Fast alle jungen Menschen, die an Schulen Amok liefen, kamen aus oberflächlich gesehen, behüteten Verhältnissen. Doch bei den meisten stellte man bei näherer Betrachtung fest, dass die Eltern nicht sonderlich interessiert am täglichen Leben ihrer Kinder waren, sondern sie mehr an ihren Leistungen maßen.
5. Alle Amokläufer hatten problemlosen Zugang zu Waffen und waren mehr oder weniger gut geschult im Umgang mir realen Waffen.
6. Alle Amokläufer litten an Zurückweisung durch Mitschüler, Bekannte oder sogar der Schule an sich.
7. Der Durchschnittscomputerspieler ist nicht ausschließlich auf sein Hobby fixiert, sonder pflegt soziale Kontakte und ist sich des Unterschiedes zwischen realer und virtueller Gewalt bewusst.
8. Viele Eltern interessieren sich wenig oder gar nicht für das, was ihre Kinder am Computer spielen.
9. Die Medien informieren ungenau, vorurteilsbehaftet oder plakativ negativ über diesen Teil der Jugendkultur.

Wenn man nun all diese Fakten zusammenfassend betrachtet, kann man zu dem Schluss kommen, dass es sich bei Computerspielern durchaus um normale Menschen handelt. Wie sind nun jedoch die Amokläufe zu bewerten, in deren Vorfeld gewalthaltige Computerspiele eine Rolle im Leben der Täter spielten. Meiner Meinung nach sollte die Betonung hierbei auf  eine Rolle liegen. Jeder Mensch sucht sich je nach Charakter und Interesse bestimmte Freizeitaktivitäten heraus, die er favorisiert. Wenn nun eine Person mit seinem Leben unzufrieden ist, keine wirklichen Freunde hat, Rückschläge erleiden muss, sich unverstanden fühlt und seine Gesamteinstellung zum Leben durch all diese Komponenten negativ ist, dann ist es möglich, dass seine Vorlieben Spielen, Musik und Filmen gelten, die weniger lebensbejahend sind als andere. Wenn er sich darüber hinaus mit Suizidgedanken trägt, die bei potentiellen Amokläufern definitiv vorhanden sind, ist es darüber hinaus möglich, dass er sich bei der Planung der Inszenierung seines Selbstmordes Anregungen aus ebendiesen Filmen, Songs und Spielen holt. Jedoch ist letzten Endes die Person selbst derjenige, der die realen Waffen benutzt und andere Menschen verletzt oder tötet. Und damit ist er auch selbst dafür verantwortlich für sein Tun.

Doch die eigentlichen Ursachen für diese Entwicklung sind woanders zu suchen. Die Ursachen liegen ganz offensichtlich zum einen im leichten Zugang zu legalen Waffen und der Befähigung damit umzugehen, die in fast allen Fällen gegeben waren. Zum anderen ist deutlich geworden, dass bei den Amokläufern keine sichere Bindung an die Eltern gegeben war, denn ansonsten wäre den Eltern schon im Vorfeld aufgefallen, wie wenig ihre Kinder sozial integriert waren und welche Problem sie hatten. Möglicherweise hätten gerade sie die Tat durch mehr Interesse an ihren Kindern verhindern können. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf den Fakt zurückkommen, dass die Mehrzahl der Amokläufer in ihrer Kindheit und Jugend mit Ritalin therapiert wurden. Im Gespräch mit einem Ergotherapeuten erfuhr ich, dass es allgemein ein Problem darstellt, dass Kinder zu schnell mit Ritalin oder ähnlichen Medikamenten therapiert werden, wenn ihre Eltern durch ihre Lebhaftigkeit und ihr Temperament genervt sind. Wenn man nun diese beiden Ansätze verbindet, die Eltern der Täter hatten wenig Interesse an ihren Kindern, möglicherweise fühlten sie sich auch durch ihre Kinder überfordert oder waren mit anderen Sachen beschäftigt, hatten von daher auch weniger Interesse daran sich mit ihren Kindern aktiv auseinander zu setzten. Die Gabe von Ritalin oder ähnlichen Medikamenten beruhigt die Kinder für eine Zeit, die Eltern haben ihre Ruhe und müssen sich nicht die Zeit nehmen, gemeinsam mit ihren Kindern andere zeitaufwendigere Therapien wahrzunehmen, sondern können sich ungestört ihren eigenen Belangen widmen. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass Ritalin bei Kindern die nicht unter ADS leiden die Wirkung der Drogen Speed hat und darüber hinaus viele Neben- und Langzeitwirkungen hat. Hierbei möchte ich betonen, dass dies nur eine persönliche Schlussfolgerung und Überlegung ist.

Ein unumstößlicher Fakt hingegen ist, dass durch gesellschaftliche Entwicklungen immer mehr Eltern immer weniger Zeit für ihre Kinder haben, seinen sie nun tatsächlich gefährdet oder nicht. Dies muss nicht wirklich am Desinteresse der Eltern liegen, sondern ist oft dadurch bedingt, dass Eltern mehr als einem Job nachgehen müssen um für ihre Familien zu sorgen, oder weite Arbeitswege in Kauf nehmen müssen um überhaupt arbeiten zu können.

Besonders gravierend ist das Desinteresse, wenn es um Freizeitbeschäftigungen der Kinder geht, zu denen die Eltern keinen oder nur schwer Zugang finden, da es sich um Teile der jetzigen Jugendkultur handelt, wie beispielsweise die Computerspiele. Wenn die Eltern nun versuchen sich über die gängigen Medien zu informieren, werden sie förmlich erschlagen von Falschdarstellungen, Vorurteilen, undifferenzierten Berichten und wertlosen Tipps. Deshalb halte ich es für nötig, dass vermehrt darauf Wert gelegt wird, das kompetente Berater den Eltern zur Seite stehen und sie ermuntern, sich mehr mit den Hobbys ihrer Kinder auseinander zu setzen, dies jedoch ohne Vorurteile und mit aufrichtigem Interesse, denn ein solches Entgegenkommen verbessert das Eltern-Kind-Verhältnis und trägt zu mehr Kommunikation bei, dabei ist es meiner Meinung nach unabhängig wie alt die Kinder sind.

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