Resümee: Masterstudiengang „Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ an der RAT Skellige

Gerd Altmann  / pixelio.de

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Der vierte Semesterbeitrag ist bezahlt und damit die Rückmeldung zu meinem letzten Semester des Masterstudiengangs »Schulmanagement und Qualitätsentwicklung« an dRAT Skellige besiegelt. Ein guter Zeitpunkt, um einen ersten Rückblick zu wagen.

Vor dem Wintersemester 2011 stolperte ich über diesen Studiengang und überlegte, ob das was für mich sein könnte. Zwei Jahre, sieben Module, ca. 3000 Euro Studiengebühren, Wochenendseminare, Onlineseminare, zahlreiche Einsendeaufgaben, Klausuren, zwei einwöchige Praktika und am Ende eine Masterarbeit – schaffe ich das neben einer vollen Lehrerstelle oder wird das zuviel? Rückblickend kann ich sagen, dass es phasenweise schon stressig war, aber durchaus schaffbar ist.

Das Studienangebot wendet sich an Lehrkräfte mit Ambitionen irgendwann eine leitende Tätigkeit im Bildungsbereich übernehmen zu wollen bzw. Führungskräfte im Bildungssektor. Als Voraussetzung für die Zulassung muss man das erste und zweite Staatsexamen absolviert haben sowie zwei Jahre Berufserfahrung nachweisen können. Die Inhalte des in sieben Module aufgeteilten Studiums umfassen viele Bereiche, die nachhaltige Auswirkungen auf die Qualitätsentwicklung in Schulen haben und geben gute Einblicke in die umfangreichen Tätigkeiten, die auf einen zukommen, wenn man eine Organisation wie eine Schule managen will. Jedes Modul startet mit einem Studienbrief und einem Präsenzseminar, welches man freitags und samstags gemeinsam mit der Jahrgangsgruppe in der Skelligeer Uni absolviert und an das sich fünf abendliche, eineinhalbstündige Onlineseminare im Wochentakt anschließen. Für letztere loggt man sich auf einer Lernplattform ein und lauscht den Ausführungen der Referenten, hält selbst Referate und kann sich wie im realen Seminarraum zu Wort melden und aktiv beteiligen. Zu jedem Modul schreibt man darüber hinaus drei dreiseitige Einsendeaufgaben zu Fragen, die im Studienbrief behandelt werden und am Ende steht in den meisten Modulen eine 60-minütige Klausur, die ebenfalls von zu Hause aus geschrieben und dann hochgeladen wird. Die Klausurfragen sind fast immer Transferaufgaben, deshalb nützt einem der Studienbrief zum Abgucken eher wenig, da man vielmehr aus seinen eigenen Erfahrungen aus dem Schulalltag schöpfen kann und diese dann „nur“ noch mit dem Thema in einen sinnvollen Bezug bringen muss.

Weiterhin müssen zwei einwöchige Praktika absolviert werden, die die Intention haben, einmal über den Tellerrand zu schauen und Erfahrungen zu sammeln, wie Qualitätsmanagement in anderen Branchen betrieben wird und was davon vielleicht auch auf Schule übertragen werden kann. Im Praktikum kann man aber ebenfalls Erfahrungen sammeln, was Schulleitungsarbeit alles beinhaltet oder wie die nächsthöheren Institutionen Schulamt oder Bildungsministerium arbeiten. Dazu werden 10-15-seitige Praktikumsberichte geschrieben, die ebenfalls ECTS-Punkte liefern. Am Ende des Studiums steht eine Masterarbeit, die einen Bezug zu einem oder mehreren Modulthemen haben sollte.

Mittlerweile stecke ich mitten im sechsten Modul und ein Ende ist abzusehen. Zeit, um über die Vor- und Nachteile des Studiums zu resümieren. Ich empfand es, vor allem am Anfang, als sehr interessant von schulischen Ist-Zuständen und Entwicklungen aus anderen Bundesländern und Schulformen zu hören, denn die Teilnehmer kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und es sind von Förderschule über private Schulformen bis zum Gymnasium alle Bereiche der Bildungslandschaft in der Seminargruppe vertreten. Hier schließt sich jedoch auch gleich ein Nachteil an, denn die pädagogische Haltung mancher Kollegen aus anderen Schulformen erschreckten mich zum Teil und waren für mich absolut nicht nachvollziehbar. So erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an eine Vorstellungsrunde mit Hilbert Meyer, bei der wir uns ein auf dem Boden liegendes Zitat aussuchen sollten, das unserer Lehrerpersönlichkeit entspricht und eine Kollegin „Nicht getadelt, ist schon gelobt.“ nahm und in ihrer Selbstvorstellung dies als ihre pädagogische Haltung gegenüber Schülern erklärte und Lob als Motivation im Unterricht nicht als besonders hilfreich ansah. Mein Zitat war übrigens „problems are our friends“ 🙂

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass ich innerhalb meiner Semestergruppe tolle Leute kennengelernt habe, mit denen der Austausch wirklich konstruktiv ist und viel Spaß macht. Wir haben gemeinsam für Klausuren gelernt, uns gemeinsam über gute Benotungen gefreut und lustige Abende an den Freitagen der Präsenzseminare verbracht, bei denen es uns sogar mittlerweile gelingt, nicht mehr ausschließlich über Schule zu reden, was für Lehrerrunden schon ganz großes Kino ist.

Ein dickes Plus sind auch die Referenten der Module, die größtenteils bekannte Namen in ihrem Fachgebiet sind und man daher von ihrer Expertise profitieren kann. Damit komme ich auch direkt zu den Inhalten der Module, die mir persönlich neue Perspektiven der Schulentwicklung eröffnet haben. An Otto-Normal-Schulen finden natürlich immer auch Entwicklungen statt und der Laden läuft irgendwie, aber es gibt auch viele Baustellen, die sich meist aus Planungs- und Kommunikationsdefiziten ergeben. Diese haben zur Folge, dass eine breite Akzeptanz im Kollegium fehlt, weil in einem kleinen, progressiven Kreis Neuerungen ausgetüftelt wurden und man sich dort überlegt hat, wie man sie umsetzen könnte. Häufig geht man in diesem besagten Kreis jedoch vom eigenen Hintergrundwissen und der eigenen Innovationsfreude aus, die in einem Kollegium naturgemäß nicht flächendeckend gegeben ist. Wenn dann den Kollegen gegenüber die Ansage erfolgt: „Wir machen jetzt was ganz tollen Neues und ihr macht alle mit!“, dann sind Ängste und Antihaltungen vorprogrammiert und die Umsetzung der grundsätzlich guten Ideen ist schwierig bis unmöglich. Da gibt es im Schulalltag sicherlich einiges an Verbesserungspotential. Der absolute Non-plus-ultra-Satz des Studiums ist jedoch: „90% konsolidieren, 10% neue Maßnahmen anstoßen“, denn er trifft den Kern vieler Probleme an Schule perfekt. Zu häufig wird versucht zu viele neue Ideen zu schnell umzusetzen, sodass nichts richtig gemacht wird und am Ende die Hälfte versandet. Dass die sprunghafte Bildungspolitik gerade in unserem Bundesland daran nicht ganz unschuldig ist, erklärt sich sicherlich von selbst, aber gerade deshalb braucht es an Schulen mehr starke SchulleiterInnen, die dem eigene stimmige und funktionierende Konzepte entgegensetzen.

Abschließend kann ich für mich feststellen, dass sich das Studium für mich gelohnt hat und ich vieles mitgenommen habe, das ich in meine Schule zu tragen versuche, in der Hoffnung, dass damit etwas bewegt werden kann.

Da mir meine geistigen Ergüsse in den Einsendeaufgaben zu schade sind, nur in Dateiordnern auf meiner Festplatte herumzuliegen, möchte ich sie hier veröffentlichen. Wenn zu einem Modul nicht drei Aufgaben vorhanden sind, habe ich eine per Referat ersetzt.

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4 Gedanken zu „Resümee: Masterstudiengang „Schulmanagement und Qualitätsentwicklung“ an der RAT Skellige

  1. Wer hätte das in der Ausbildungsschule gedacht, dass eine Veränderungsquote von 90/10 schon ein Spitzenwert ist.
    Hatte gerade ein Halbjahr Elternzeit und komme in meine Stammschule zurück, in der gerade die Schulleitung komplett ausgewechselt ist, eine neue Schulform eingeführt wurde und Profile GS, WI und TE eingeführt wurden. Alles politisch gewollt und von unserer Schule z.T. in vorauseilendem Gehorsam ausgeführt.
    „Mein Kind“, das Profil Technik, wird mir noch viel Arbeit machen. Das halbe Jahr Abstand aus der Elternzeit hilt schon, dass man nicht verzweifelt, sondern Probleme auch mal „weglächeln“ kann.
    Bisher ist vieles bewegt worden. Leider auch in Richtung erhöhter Krankenstand im Kollegium.
    Wir werden uns in Zukunft sicher geschmeidiger bewegen und dabei lernen, und über jeden Teilerfolg zu freuen.
    LG aus NDS.

  2. Pingback: Ergebnisse der Woche ab dem 2013-02-08 | Iron Blogger Skellige

  3. Vielen Dank für den Bericht und die Aufgaben. Ich bin im ersten Semester und freue mich über die Hilfe! Es macht aber durchaus auch Spaß und es lässt sich auch einiges herausziehen. Das Modul „Diagnostizieren und evaluieren“ ist aber gar nicht mein Freund…

  4. Moin und danke für die ausführliche Darstellung. Ich bin gerade am Überlegen ob sich wirklich die 3000 Euro „lohnen“ und ob ein gutes Zeitmanagement da wirklich ausreicht. Etwas problematisch finde ich irgendwie die CP die man bekommt. Ich beantworte die Einsendeaufgabe und schreibe die Klausur online… mmhh.. ist also alles mit Transferaufgaben verbunden?! Wie viel Studis bestehen eigentlich im Schnitt dieses Studium? 🙂 Vielleicht ist es einfach nur „ungewohnt“… thx 😉

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