Das neue Knoppix 5.2 auf der CeBit vorgestellt

n der neuen Ausgabe der CT, aus dem heise Verlag, liegt die neuste Version des Linux Live Systems Knoppix in der Version 5.2 bei. Auf der CeBit präsentiert Klaus Knopper jeden Tag um 12 Uhr am heise Stand die Neuheiten der Version. Wir waren vor Ort und haben es uns angeschaut.

Knoppix kennt mittlerweile sicher jeder, zumindest dem Namen nach. Jedes Jahr zur CeBit kommt nun schon einige Jahre in guter Tradition eine neue Version heraus, in die Klaus Knopper immer wieder neue Features und Vereinfachungen im Umgang mit Linux hinzufügt.

Heute war es nun soweit und wir schauten uns die Präsentation am heise Stand in der Halle 5 an. Bereits einige Zeit vorher drängelten sich jede Menge Neugieriger um den Stand und stürzten sich auf die wenigen Plätze. Der Präsentationsbereich war brechend voll, als es dann anfing. Von der vorherigen Präsentation konnte man über einen Beamer auf der Leinwand noch das gebootete Windows sehen, das aber als erste Amtshandlung von Herrn Knopper erst einmal heruntergefahren wurde, um sein Betriebssystem ‚Knoppix‘ von DVD zu booten. Für diejenigen, die es interessiert, Knoppix 5.2 läuft mit einem Kernel 2.6.19.5. Nachdem der Zuschauer viel bunte und weiße Schrift auf einem schwarzen Hintergrund gesehen hatte, startete eine grafische Oberfläche mit allem was man so erwartet – ein Startmenü-Button unten links, eine Taskleiste mit Schnellstartleiste und rechts unten in der Ecke ein Tray.

knoppix-logoWas ist nun das Besondere an diesem Betriebssystem von DVD? Zuerst einmal muss der User nichts installieren oder ändern auf seinem Rechner, außer die Boot-Sequenz auf CD umzustellen. Beim Starten des Systems werden die Daten in eine RAM-Disk geschrieben, so dass keine Veränderungen auf den Festplatten vorgenommen werden. Temporär kann man auf diese virtuelle Platte auch schreiben, wenn man sich nämlich sein Knoppix für die Benutzungszeit entsprechend einrichten möchte. Will man Daten dauerhaft speichern, sollte man das dann auf einem USB-Stick tun, da die Daten sonst beim Herunterfahren des Rechners verloren wären. Das stellt auch kein Problem dar, da Knoppix beim Starten eine automatische Hardwareerkennung durchführt und die entsprechenden Treiber integriert sind. Mittlerweile funktioniert diese auch bei den meisten Systemen probemlos, nur bei einigen Grafikkarten selteneren Typs kann es noch zu Problemen kommen. Bei einigen älteren Monitoren kann die Auflösung noch nicht erkannt werden, diese kann man aber durch einfache Boot-Optionen angeben. Ansonsten startet Knoppix standardmäßig mit einer Auflösung von 1024×768.

Nach diesen einführenden Worten zeigte Klaus Knopper uns einige Neuerungen und Verbesserungen der neuen Version. Wenn man sein Knoppix von der DVD gestartet hat und das Betriebssystem in der RAM-Disk läuft, kann man in der grafischen Oberfläche weitere Betriebssysteme starten. Diese können nebeneinander laufen und man könnte auch in ihnen wieder weitere Subsysteme starten. Eine sinnvolle Anwendung dieser technischen Möglichkeit ist das Erstellen virtueller Server. So können sich beispielsweise mehrere Personen einen realen Rechner teilen, ohne dass der eine Zugriff auf das Betriebssystem des anderen hat. Das Hostsystem stellt die Hardware, wobei aber durch die RAM-Disk ein größeres Maß an Sicherheit gegeben ist, die Subsysteme sind dadurch dann natürlich entsprechend noch sicherer.

i972Als nächstes wurde uns der Window-Manager Beryl vorgestellt, der in die neue Knoppix Version integriert ist. Beryl ist eine interessante Mischung aus praktischen Features und netten Spielereien. Im Linux kann man standardmäßig mit verschiedenen Arbeitsflächen agieren, auf denen dann die Programme übersichtlich verteilt laufen, die meisten Anwender arbeiten mit vier Arbeitsflächen, zwischen denen sie dann entsprechend hin und her schalten. Bei Beryl bilden die vier Arbeitsflächen die vier Seitenflächen eines Würfels, wobei der User selbst entscheiden kann, ob sich seine Arbeitsflächen außen oder inner am Würfel befinden. Per Tastendruck und Maus oder Cursortasten hat man nun die Möglichkeit seinen virtuellen Würfel zu drehen und dadurch die Arbeitsfläche zu wechseln. Dreht man seinen Würfel über eine Ecke, kann man auf dem Bildschirm sehen, welche Fenster gerade übereinander liegen. Befindet man sich auf einer Arbeitsfläche mit verschiedenen geöffneten Fenstern und hat vielleicht etwas den Überblick verloren, geht man mit dem Mauszeiger in die rechte obere Ecke und alle bestehenden Fenster werden verkleinert auf der Arbeitsfläche angezeigt. So findet man schnell das gesuchte Fenster wieder.

Olas-thumbDas Spannende an Beryl ist die Dynamik der Fenster, diese schwingen mit den Bewegungen mit, wenn man ein Fenster verschiebt oder anderweitig bewegt, außerdem werden sie mit dynamischen Effekten minimiert und maximiert. Da die Kanten und Ecken des Fensters leicht ‚magnetisch‘ sind, gibt es einen Seiten-Umklapp-Effekt, das bedeutet man kann eine Ecke eines Fensters diagonal nach unten ziehen und das darunter liegende Fenster teilweise sichtbar machen. Lässt man die Ecke wieder los, schnipst sie an ihre Ausgangsposition zurück. Ein weiteres Feature ist, dass man die Fenster stufenlos transparent schalten kann, was es dann möglich macht, dass man sein Schreibprogramm auf das IRC-Fenster legt und dank der Transparenz im IRC nichts verpasst, obwohl man nebenbei ja etwas schreibt.

linux.screenshot.1677.1Es existiert auch eine Zeichenfunktion, die es ermöglicht direkt auf dem Desktop zu malen. Das ist besonders sinnvoll bei Präsentationen jeder Art, wenn man auf bestimmte Schlüsselbegriffe hinweisen möchte oder spontan dynamische Elemente braucht, diese werden dann einfach auf den Desktop gezeichnet und können bei Bedarf wieder ‚wegradiert‘ oder komplett gelöscht werden. Tut man das nicht sind sie auch auf den anderen Arbeitsflächen vorhanden.

Beryl besitzt auch eine intelligente Vergrößerungsfunktion und andere Features, die vor allem für Personen von Interesse sind, die in ihrer visuellen Wahrnehmung eingeschränkt sind. Die Vergrößerungsfunktion ermöglicht es, dass man extrem weit an bestimmte Bereiche des Desktops heranzoomen kann, aber die Benutzbarkeit trotzdem nicht unterbrochen wird, denn man kann in Echtzeit weiterarbeiten, sieht aber dann nur den gerade relevanten Desktopausschnitt. Fenster können auch gezielt farblich invertiert werden, falls der Anwender Probleme hat etwas zu erkennen und ein Kontrastwechsel hilfreich wäre.

Außer dem integrierten Beryl-Manager sind auch die WLAN Konfigurationen verbessert worden, so dass nun das WPA-Verfahren unterstützt wird. Außerdem wurde die Installation des Live Systems auf die Festplatte vereinfacht. Dies war zwar schon länger möglich, aber die Menüführung wurde nun noch einfacher und komfortabler gestaltet. Durch diese Funktion kann man das Knoppix von der DVD in ein vollwertiges Linux auf der Festplatte umwandeln. Der Umfang der komprimierten Dateien auf der DVD ergeben auf der Platte dann um die 9 GigaByte. Das Tolle daran ist, dass man in diesem Paket dann bereits alle ‚lebenswichtigen‘ Programme dabei hat, so zum Beispiel das komplette OpenOffice Paket, Browser und Mailclients in verschiedenen Ausführungen, Grafikprogramme, Musik- und Videoabspielprogramme, um die 300 kleinere und größere Games und vieles vieles mehr.

Auf der Knoppix 5.2 DVD sind unter anderem auch die neusten Windows-Versionen des mittlerweile immer beliebteren Firefox, Thunderbird und OpenOffice mit vorhanden.

Mittlerweile sind in Knoppix auch die entsprechenden Treiber integriert, so dass man auf seine NTFS-Platten schreiben kann. Bisher konnte man, wenn man sich in der Live-System-Umgebung befindet, zwar auf die eventuell noch vorhandenen Windowsplatten zugreifen und wichtige Daten auch auf einen USB-Stick schreiben, aber das Neuerstellen oder Verändern von Dateien auf der Windowspartition war nicht möglich. Nun sind die NTFS-Treiber dank viel Manpower und reverse engineering stabil und nutzbar. Ein kleines Zitat von Klaus Knopper dazu: „Gerüchten zufolge sollen diese Treiber stabiler laufen als die orginalen, aber da ich mich mit Windows nicht so gut auskenne, kann ich das nicht wirklich einschätzen.“

Im Anschluss an seine Ausführungen gab er den Zuschauern die Möglichkeit Fragen zum neuen Knoppix zu stellen. Eine der ersten Fragen beschäftigte sich natürlich mit der Frage, welche Hardwareanforderungen ein so umfangreiches System mit einem aufwendigen grafischen Desktop Manager wie Beryl benötigt. Die Anwort darauf verwunderte sicher einige, denn Herr Knopper riet zu einer alten ATI Grafikkarte, beispielsweise der Radeon mobilty.

Wenn sie sich also einen neuen Rechner kaufen und auf dem alten mal Linux ausprobieren wollen, ist das kein Problem. Besser ist aber, sie installieren Linux gleich auf dem neuen Rechner und stellen den alten mit Windows in die Ecke, dann sparen sie sich auch gleich das Neuregistrieren ihres Betriebssystems.“, so Herr Knopper in diesem Zusammenhang. Er wies auch darauf hin, dass es bei neueren Grafikkarten unter Umständen eher zu Schwierigkeiten kommen könnte, da die Hersteller immer verbissener auf ihren Source Code aufpassen und ihn nicht an die Programmierer der Open Source Community weitergeben, damit diese dann adäquate Treiber programmieren könnten. Die Gründe dafür sind vor allem im gegenseitigen Messen der Hersteller anhand der Benchmarkergebnisse zu suchen. Um ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen, werden in die Treiber entsprechende Features eingebaut, die das Benchmarkergebnis steigern, aber keine wirklichen Verbesserungen herbeiführen und diese werden dann natürlich peinlich geschützt. Die Hersteller bieten aber teilweise dann proprietäre Treiber an, die mehr oder weniger gut laufen und im Fall von Beryl dann auch noch Features wie Regentropfen auf dem Desktop erlauben, die durch Scheibenwischer entfernt werden können.

Alles in allem war es eine sehr interessante Präsentation, die wirklich Lust auf Ausprobieren macht. Für alle, denen es genauso geht, sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt, dass sich die DVD mit der Knoppix Version 5.2. in der neusten Ausgabe der CT vom heise Verlag befindet, die am Montag an den Kiosken zu kaufen sein wird. Oder man sichert sich hier auf der Messe direkt ein Exemplar am heise Stand in Halle 5.

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