Was bedeutet Heimat für mich?

Inessa Podushko  / pixelio.de

Inessa Podushko / pixelio.de

Angeregt durch eine Blogparade von Katja Wenk  habe ich in den letzten Tagen immer mal wieder über diese Frage nachgedacht. Das Wort „Heimat“ empfinde ich als ziemlich diffusen Begriff, denn er ist historisch und subjektiv häufig sehr emotional aufgeladen. Deshalb habe ich ein wenig zur Etymologie des Wortes herumgestöbert und eine Definition der Brüder Grimm aus dem Jahr 1877 gefunden, nach der Heimat drei Bedeutungen haben kann:

  1. „das land oder auch nur der landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat“
  2. „der geburtsort oder ständige wohnort“
  3. „Selbst das elterliche haus und besitzthum heiszt so, in Baiern.“

Heimat hat ja etwas mit Heim zu tun, das die Brüder Grimm wiederum als das „Haus, in das man gehört“ bezeichnen. Dieses kann im Laufe eines Lebens ja auch wechseln, vor allem in der heutigen Zeit, in der Wohnortwechsel für viele normal sind und kaum einer mehr an dem Ort sein Leben verbringt und irgendwann stirbt, an dem er geboren wurde – ganz im Gegensatz zu früher, als es eher normal war an einem Ort zu bleiben – ein Leben lang.

So habe auch ich meinen Geburtsort Leipzig vor 17 Jahren verlassen und bin nach Kiel gezogen, sodass sich mir die Frage stellte, welcher der beiden Orte denn nun meine Heimat ist? In Gesprächen mit Freunden und Bekannten, die irgendwann aus dem Osten in den Westen übergesiedelt sind, fällt mir oft auf, dass sie immer noch sehr stark mit ihrem Geburtsort verbunden sind und sich auch noch als Ossis fühlen bzw. dieses ganze Ossi-Wessi-Ding für sie noch ziemlich präsent ist. Das geht mir gar nicht so und ich fühle mich weder der einen noch der anderen Gruppe wirklich zugehörig, zumal ich finde, dass das so viele Jahre nach der Wende auch gar keine Rolle mehr spielen sollte.

Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass Menschen, die mit dem was sie jetzt tun, nicht allzu zufrieden sind oder noch nicht die Erfüllung in Beruf und Alltagsleben gefunden haben, einen stärkeren Bezug zu ihrem Geburtsort haben und diesen auch als Heimat, mit der sie sich verbunden fühlen, empfinden. So ließe sich vielleicht auch der Hang von sehr unzufriedenen Menschen erklären, den Begriff Heimat dermaßen überzubewerten, dass es ihnen schwer fällt, Menschen zu akzeptieren, die sie so gar nicht zu ihrer Heimat passend empfinden. Im schlimmsten Fall äußert sich dass das in Rechtsradikalismus.

Doch Analyse hin oder her, was ist denn nun meine Heimat? Mit Leipzig verbindet mich mittlerweile immer weniger. Die Freunde von früher sind auch vorwiegend woanders hingezogen und bilden damit nicht mehr den Anker, der sie einmal waren. Hier in Kiel habe ich Freunde, einen Job, den ich sehr mag und nicht eintauschen möchte und ein Leben, mit dem ich wirklich zufrieden bin. Also ist meine Heimat nun hier.

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Was heißt hier Liebe?

Werftparktheater Kiel Foto: Melanie Richter CC-BY-NC

Werftparktheater Kiel
Foto: Melanie Richter CC-BY-NC

Am Donnerstag waren wir im Theater, mit allen 8. Klassen unseres Jahrgangs und das sind immerhin fünf, also so um die 110 SchülerInnen. In den vergangenen Jahren waren wir schon öfter im Opernhaus zu den Weihnachtsmärchen und bemühen uns mindestens einmal im Jahr einen Theaterbesuch zu organisieren. Passend zum Alter, den oft hormongesteuerten Ausbrüchen der lieben Kleinen und natürlich ein wenig auch im Kontext des Sexualkundeunterrichts, der in Klasse 8 wieder einmal anstand, fiel die Wahl dieses Mal auf „Was heißt hier Liebe?“ im Werfparktheater Kiel.

Theaterbesuche am Vormittag empfinde ich ja immer als etwas befremdlich, aber wenn die Vorstellung während der Unterrichtszeit angeboten wird, warum nicht nutzen und mit alten Gewohnheiten brechen. In der Anfangsphase was alles noch etwas wuselig, denn es dauerte seine Zeit, bis alle Anwesenden gerafft hatten, dass da ja richtige Menschen vorn spielen und es dafür auch ein ganzes Stück mehr Ruhe braucht als vielleicht im Kino. Doch während des Stücks merkte man, dass der überwiegende Teil der SchülerInnen absolut dabei waren, an den richtigen Stellen mitgingen und eben auch an den richtigen Stellen die Klappe hielten.

Das Stück wird nun schon seit ca. 20 Jahren immer wieder gespielt und hat an Aktualität nicht verloren. Klar, die Pubertät überkommt jede Generation aufs Neue und die grundsätzlichen Probleme sind die gleichen geblieben. Spannend fand ich, wie in manchen Szenen ein Raunen durch die Reihen ging und die SchülerInnen Formulierungen als krass empfanden, die in ihrer Alltagssprache oft ähnlich oder häufig auch pornöser auftreten. Bei den SchauspielerInnen empfanden sie es offensichtlich als unangebracht versaut. Tjaja, die liebe Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Besonders hat mich persönlich das tolle Feedback der Theatercrew gefreut, dass wir als begleitende LehrerInnen sehr präsent waren und für Ruhe gesorgt haben, das seien sie von KollegInnen aus anderen Schulen leider so nicht gewöhnt, die würde oft ihre Verantwortung am Eingang abgeben und das Stück verfolgen, egal was ihre Schützlinge in der Zeit so treiben. Ich hatte ja vor einer Weile schon mal über die Vorbildfunktion von LehrerInnen geschrieben und fühlte mich durch das Lob im Theater absolut bestätigt, dass ich da richtig liege.

Doch zurück zum Stück. Für SchülerInnen der 8. Klassen sollte es eigentlich ein Muss sein, denn es ist wirklich superpassend. Wer von euch es noch nicht gesehen hat, sollte einfach mal reingehen, denn auch als Erwachsener kann mann oft schmunzeln und gelegentlich herzhaft lachen und spürt hin und wieder die Erleichterung, dass man diesen stressigen Teil des Lebens schon hinter sich hat. 😉

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Was ist Iron Blogging?

Auf der diesjährigen re:publica wurde unter anderem die Faszination des Iron Blogging näher erklärt und auch unsere Kieler Runde war dort durch Steffen Voß (@kaffeeringe) würdig vertreten. Es ist interessant zu erfahren, woher diese Idee stammt und wie es in anderen Städten damit aussieht.

 

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Kieler Schauspielhaus: Punk Rock

Am vergangenen Donnerstag war ich im Schauspielhaus und habe das Stück „Punk Rock“ von Simon Stephens gesehen. In einer der letzten Spielzeiten lief schon „Am Strand der weiten Welt“, das mir sehr gut gefallen hatte, deswegen war „Punk Rock“ eigentlich ein Muss.

Im Stück geht es um einen Gruppe von Jugendlichen, die allesamt aus gut situierten Verhältnissen stammen und  in eine teure Privatschule gehen. Am Anfang lernt man die verschiedenen Charaktere kennen und neigt dazu, sie gleich in die entsprechenden Schubladen zu verfrachten. Der obercoole, nicht ganz so gut aussehende Bennet ist mit der ehrgeizigen Cissy zusammen, die trotz guter Figur das Gefühl hat, zu fett zu sein. Die mollige Tanja scheint eine Nette zu sein, die jedoch Komplexe aufgrund ihrer Figur hat. Der gut aussehende Sportler Nicholas sagt anfangs nicht viel Gehaltvolles und der sympathisch wirkende William scheint unsicher im Umgang mit Mädchen zu sein. Ein bemitleidenswerter Außenseiter scheint der hochbegabte Chadwick zu sein, denn schnell zeigt sich, dass die Clique, allen voran Bennet ihn aufgrund seines Namens, seiner Klamotten und seiner Zurückhaltung mobben. Die neu an die Schule gekommene Lilly findet ihren Weg in die Clique und verliebt sich in Nicholas. Die beiden halten ihre Liason jedoch geheim und William rechnet sich ebenfalls Chancen bei ihr aus.

Nach einiger Zeit stellt man fest, dass fast jeder Charakter seine Probleme hat und auf seine Weise kaputt ist. Mit dem Leistungsdruck durch die Eltern, homosexuelle Neigungen, mangelndes Selbstbewusstsein und dem Druck in der Clique cool zu sein, geht jeder von ihnen unterschiedlich um. Als Zuschauer wird man Zeuge von Situationen, in denen gelogen, schlecht über einander geredet und offen gemobbt wird. Vor allem die Mobbingszenen erzeugen eine sehr bedrückende Atmosphäre, denn die Sprüche und Handlungen sind so mies und doch so realistisch, dass es mir mehrmals kalt den Rücken hinunter lief. Die Ereignisse spitzen sich zu und am Ende läuft einer der Jugendlichen Amok und erschießt fast alle Cliquenmitglieder.

Das Stück kommt gänzlich ohne Bühnenbild aus und die einzelnen Sequenzen werden durch die Animation eines Gitterrasters unterbrochen, das im Laufe des Stücks immer mehr aus den Fugen gerät. Untermalt sind diese Sequenzen durch laute Punkmusik.

Viele Äußerungen der Jugendlichen zeigen ihre Sicht auf ihre Umwelt. Lehrer und Eltern kommen dabei nicht gut weg. Doch auch die Zukunftsträume der Charaktere und ihre Meinung zur Welt außerhalb der Schule zeigen deutlich, wie sie sozialisiert wurden und wie desillusioniert sie doch sind. Von heiler Welt ist diese Jugend weit entfernt, denn sie schlägt sich mit vielen Unsicherheiten und negativen Zukunftsaussichten herum.

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