CS & Community

10. Counterstrike und seine Community

Nachdem nun verschiedene Spiel kurz erläutert und die Arbeit der Kontrollorgane beschrieben wurde, soll im nun folgenden Teil der Arbeit das Spiel Counterstrike und die Community der Counterstrikespieler näher betrachtet werden.

10.1 Counterstrike – Das Spiel

Doch zuerst zum Spiel und den Spielzielen. Bei Counterstrike handelt es sich um eine Modifikation des Spiels Halflife. Dabei wurden die Grundstrukturen des Spiels beibehalten, jedoch die Spielcharaktere und Spielziele dahingehend geändert, dass es sich bei Counterstrike um ein reines Multiplayerspiel handelt. Zu Beginn des Spiels hat man die Möglichkeit sich für eine der beiden agierenden Gruppen zu entscheiden, dies ist zum einen das Team der Terroristen und zum anderen das der Counterterroristen (verschiedene Spezialeinheiten der Polizei). Die Teamgröße kann zwischen einem und 16 Spielern variieren. Gespielt wird auf verschiedenen Maps (Spielszenarien), mit verschiedenen Aufgaben, so haben Terroristen entweder die Aufgabe eine Bombe, an einem von zwei vorgegebenen Plätzen, zu legen, die Befreiung von Geiseln zu verhindern oder einen VIP (eine Person des Counterterroristenteams) daran zu hindern, einen Zufluchtsort zu erreichen. Die Counterterroristen hingegen haben die Aufgabe das Legen der Bombe zu verhindern bzw. sie zu entschärfen oder die Geiseln bzw. den VIP sicher an einen bestimmten Ort zu bringen. Wenn eines der beiden Teams seine Aufgabe erfüllt hat, gewinnt es die Runde und eine neue beginnt. Jede Map wird eine bestimmte Zeit gespielt, bis dann auf eine andere gewechselt wird, entscheidend ist am Ende einer Runde wie viele Punkte das Team hat, nicht was der Einzelspieler erreicht hat. Die Szenarien sind sehr vielfältig, so spielen sich manche Runden in einem Bürogebäude ab, in einer Forschungsstation, die in einen Felsen eingelassen ist, in einer verlassenen Stadt mit arabischem Flair oder aber auf einer Bohrinsel mit Hubschrauberlandeplatz. In keinem der Szenarien gibt es Zivilisten, abgesehen von den Geiseln, die jedoch nicht erschossen werden sollten, da es Geldabzug gibt. Pro gewonnene Runde bekommt jeder Spieler Geld und kann sich damit zu Beginn der nächsten Runde mit Waffen, Munition, schusssicherer Weste, Helm und wenn er Counterterrorist ist mit einem Bombenentschärfungswerkzeug ausrüsten. Ziel des Spiels ist es die jeweilige Aufgabe im Team zu erledigen, ohne dabei getötet zu werden, da sämtliche Ausrüstungsgegenstände beim Sterben verloren gehen. Daher wird beim Spielen sehr viel Wert auf taktisches Vorgehen gelegt, einzelnen Spielern werden feste Positionen zugewiesen, die sie bewachen und verteidigen müssen, andere Spieler übernehmen die aktive Erfüllung der Aufgabe. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Teamplay bei Counterstrike unabdingbar ist um sinnvoll spielen zu können.

Die meisten Spieler spielen Counterstrike online, indem sie sich auf einem Server, auf dem das Spiel mit seinen Maps bereitgestellt ist, einloggen. Auf dem Server hat man die Möglichkeit mit anderen Spielern zu Kommunizieren, indem man chattet oder über Headset mit ihnen redet. Außerdem gibt es Voicechatprogramme die es den Spielern ermöglichen sich in einem virtuellen Raum zu treffen und miteinander zu reden. Viele Spieler spielen auch in einem festen Team (Clan) zusammen. Viele dieser Clans treffen sich auch privat, spielen gemeinsam in einer Counterstrikeliga[1] oder fahren gemeinsam auf LAN-Partys um dort mit andern Spielern zu feiern, zu spielen und an Turnieren teilzunehmen. Sie stellen auch eigene Homepages online auf denen sie eine Plattform zum kommunizieren bieten und Neuigkeiten zum Spiel, dem Clan selbst und anderen alltäglichen Sachen anbieten. Hier hat man meistens die Möglichkeit sich innerhalb eines Forums mit den Spielern des Clans und Besuchern der Seite auszutauschen.

10.2 Vorurteile und Reaktionen der Spieler

Wie kommt es nun, dass gerade Counterstrikespieler so stark durch Vorurteile der Medien und damit auch der medienkonsumierenden Bevölkerung belastet sind? Wenn man sich die Medienberichte genauer anschaut, stellt man, wie schon erwähnt, fest, dass die Schilderungen sehr einseitig sind und zum großen Teil auch völlig an der Realität vorbei gehen. Ein paar Beispiele sollen dies verdeutlichen:

„Großmütter mit Kinderwagen und Schulmädchen bringen Extrapunkte im PC-Spiel Counterstrike“[2]

„in Counterstrike wird auf Polizisten, Passanten und Schulmädchen geschossen“[3]

„Counterstrike ein Killerspiel…Sie nehmen Dunkelmänner ins Fadenkreuz ihrer virtuellen Maschinenpistolen und feuern weiße Blitze – bis der gesamte Bildschirm rot zuckt: Das Opfer verblutet, das Ziel ist erreicht, der Spieler gewinnt.“[4]

Counter-Strike“ war das Lieblingsspiel des Amokschützen. Diente es ihm als Vorbild? Alles, was sich bewegt, wird erschossen. Nur wer schneller schießt, kommt weiter. Die Opfer schlagen blutüberströmt einen Salto rückwärts. Wer sich den Weg freiballert, bekommt einen Bonus. Kinderwagen mit Großmüttern geben Extrapunkte. Der Blutfluss kann programmiert werden – für Anfänger normal, für Fortgeschrittene schnell und heftig… Das erste Szenario entstammt Videospielen, wie sie heute nach statistischen Untersuchungen knapp 90 Prozent aller Heranwachsenden zwischen sieben und 15 Jahren spielen.“[5]

Auch die SZ kann sich nicht enthalten, von Counterstrike als einem „Computer-Trainingsprogramm“ für das „Töten per Kopfschuss“ zu sprechen.[6] Außerdem weder Counterstrike und Co. in Beiträgen wie Frontal 21 ‚Gemetzel im Kinderzimmer’ immer wieder als Killerspiele oder Metzelspiele bezeichnet. Diese Darstellungen sind schlichtweg falsch, denn wie schon erwähnt, gibt es keine Zivilisten im Spiel, die es zu erschießen gilt. Es gibt auch keine Extrapunkte für gezieltes Zivilisten erschießen, denn es gibt keine Punkte und keine Zivilisten im Spiel, außer die Punkte pro gewonnene Runde für das Team. Es gibt zwar Blut zu sehen, wenn ein Spielcharakter getroffen wird, aber es ist nicht so, dass der ganze Bildschirm rot wird und der Schießende dadurch automatisch gewinnt, denn wie schon häufiger erwähnt zählen nur die gewonnenen Runden für das Team. Auch die Meldung, dass solche Spiele Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 15 Jahren spielen, ist nicht so hinzunehmen, denn erstens ist Counterstrike gar nicht für diese Altersklassen freigegeben und zweitens ist laut Statistiken das Durchschnittsalter der Counterstrikespieler ca. 20 Jahre.[7]

Nach dem Amoklauf in Erfurt überschlugen sich die Medien förmlich mit Schuldzuweisungen, die Hauptschuld bekam das Spiel Counterstrike, man hielt es sogar für so gefährlich, dass ein Indizierungsantrag bei der BPjM lief. Doch dieser wurde abgelehnt, mit folgender Begründung:

„In dem Spiel werden in erheblichem Umfang strategische Vorgehensweisen angeboten, als auch die Möglichkeit in den Spielergemeinschaften zu kommunizieren. Allerdings ist es auch wesentlicher Bestandteil des Spiels, virtuelle menschliche Gegner zu töten. Je nach Spielerpersönlichkeit stehen für den Einen eher strategische Gesichtspunkte im Mittelpunkt, für den Anderen eher die vordergründige Action. Auch hat das Gremium darauf verwiesen, dass diejenigen Spieler, die in erster Linie kurzfristige aktionale Inhalte und Formen suchen, nicht langfristig an dieses Spiel gebunden werden. Das Gremium hat sehr deutlich gemacht, dass dieses Spiel nicht in die Hände von Kindern und jüngeren Jugendlichen gehört, da es für diese Altersgruppen beeinträchtigende Elemente aufweist. Dies insbesondere aus dem Grunde, weil Kinder und jüngere Jugendliche, die auf der Suche nach einem differenzierten Norm- und Wertesystem sind, durch die kampforientierte Spielehandlung negativ beeinflusst werden könnten. Andererseits hat das 12er-Gremium deutlich darauf verwiesen, dass das Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften gravierende Rechtsfolgen nach sich zieht, die in diesem Fall zu weitreichend sind.
Denn bei älteren Jugendlichen sollte angenommen werden, dass sie bereits über ein gefestigteres Normen- und Wertesystem verfügen, und sehr wohl zwischen Realität und Spiel differenzieren werden.
Das Spiel hat durch die Gesamtkonzeption in Verbindung mit Darstellung und Graphik gegenüber anderen Spielen, die in die Liste aufgenommen wurden, noch keinen solchen Gefährdungsgrad, der eine Indizierung rechtfertigt. Eine verrohende Wirkung ist nicht gegeben, weil die Umsetzung der Actionszenarien weitgehend auf Effekthascherei verzichtet. Auf akustische Animation in Form etwa von Schreien wird vollständig verzichtet. Jugendbeeinträchtigende Aspekte treten insbesondere durch die Tatsache auf, dass jüngeren Jugendlichen z.B. der Zutritt zu LAN-Partys gewährt wird, auf denen dieses Spiel gespielt wird. Möglichkeiten der Ordnungsämter, den Zutritt dieser Altersgruppen zu verhindern, bestehen auf Grund der momentanen Regelungen nicht. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Unterhaltungssoftwareindustrie hat die amerikanische Originalversion bereits vor Einführung auf dem deutschen Markt als nicht geeignet unter 18 Jahren eingestuft. Dabei handelt es sich bei der jetzigen Gesetzeslage lediglich um eine Empfehlung ohne jede gesetzliche Verbindlichkeit. Wäre eine Alterseinstufung verbindlich, könnte jüngeren Jugendlichen bzw. Kindern der Zutritt verwehrt werden, was dem Spiel auf der Rechtsfolgenseite ausreichend Rechnung tragen würde. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer raschen Novellierung des Jugendschutzgesetzes.“[8]

Doch nicht nur das war ein deutliches Zeichen, auch die Community der Counterstrikespieler hatte sich zu Wort gemeldet und versucht ihre Intentionen und Ansichten zu diesem Thema zu schildern. Doch man distanzierte sich auch deutlich von der Tat Robert Steinhäusers und verurteilte sie zutiefst. In fast alle Foren in denen sich Counterstrikespieler austauschen, konnte man nach der Tat Statements lesen, die Unverständnis für die Tat und vor allem auch für den, von den Medien hineininterpretierten, Zusammenhang mit Counterstrike. Außerdem waren viele Spieler aktiv in Diskussionsforen von Zeitungen und Fernsehsendern, in denen sie versuchten ihre Sicht der Dinge darzustellen. Hier nun einige Statements von Spielern:

„Die Hintergründe dieser Tat liegen garantiert nicht bei Computerspielen oder sonstigen Dingen. Der Attentäter war nur wieder einer dieser alleine gelassenen, gehänselten und komplexgeplagten Menschen, die nicht mit sich selber klar kommen“, schreibt ein Spieler unter dem Namen „Penta“ im Internetforum.[9]

„Nur weil man Ego-Shooter spielt, wird man noch lange kein Meisterschütze, der reihenweise Kopfschüsse abfeuern kann“, meint ein „Nick“[10]

„Es ist wohl jedem klar dass hier versucht wird, CS als Alleinverantwortlichen für den Amoklauf darzustellen. Was in Erfurt geschehen ist, kann man nicht mehr rückgängig machen, aber dafür nun CS die Schuld zuzuschieben kann nicht der richtige Weg sein. Besonders, wenn es noch in einer vollkommen überzogenen und einfach falschen Darstellungsweise, wie es hier der Fall ist, geschehen ist. Niemand weiß genaueres über den Familienstand, oder sonstige aussergewöhnliche Umstände, die für den Täter der Grund für sein Handeln war. Im IRC wurde mir berichtet, dass die ersten Eltern schon Verbote aufgrund dieses Artikels für das CS spielen verhängt haben. Es bleibt abzuwarten, was noch alles auf uns zukommen wird.“[11]

„Für viele von uns ist Counterstrike zu einem wichtigen Freizeitinhalt geworden, über den wir neue Freunde gefunden haben. Ich spiele Counterstrike nicht, weil ich mich an der Gewaltdarstellung ergötzen will, sondern um des sportlichen Vergleichs willen. Meiner Meinung nach bewirkt die bloße Darstellung von Gewalt in diesem Spiel noch keine Jugendgefährdung, es geht auch um den Geist und den Kontext, in dem gespielt wird: ich sehe uns nicht als Killer, sondern als Sportler in einem neuen, elektronischen Medium.“[12]

„In den letzten Wochen wurde oft über die Indizierung von Counter-Strike diskutiert. Nach einer solch schockierenden Tat, wie den Amoklauf aus Erfurt, müssen wir Computerspieler uns aber auch selbstkritisch einige Fragen stellen. Haben Computerspiele wirklich negative Auswirkungen auf Jugendliche oder einzelne Personen? Wie verarbeiten Jugendliche eigentlich das virtuelle Blut, welches täglich über ihren Monitor fließt? Würden solche Tragödien ohne Computerspiele nicht passieren?“ Für den Autor sind nicht Gewaltdarstellungen für das Ausrasten von Tätern wie in Erfurt verantwortlich, sondern gesellschaftliche Probleme, das „Versagen von Erziehungsberechtigten“ oder mangelnde personelle Ausstattung der Schulen.“[13]

Man könnte an dieser Stelle noch viele weitere Statements einfügen, die teilweise nachdenklich und betroffen sind, andererseits aber auch wütend über die Falschdarstellungen der Medien und die Vorurteile die daraus entstehen. Es wurden Initiativen gegründet, wie die Webseite „Gamer gegen Terror“, leider ist diese Seite jetzt nicht mehr verfügbar, doch 2002 erklärten sich dort über 200 Clan solidarisch, dass sie gegen die Schuldzuschiebungen protestieren und sich selbst nicht als potentielle Amokläufer sehen. Als dann die Indizierung des Spiels zur Debatte stand und am 16. Mai 2002 von der BPjM entschieden werden sollte ob Gründe für eine Indizierung vorliegen oder nicht, beteiligten sich über 20.000 Spieler an einer Petition gegen die Indizierung. Die Petition hatte folgenden Wortlaut:

„Petition an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPJS) und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Sehr geehrte Frau Bergmann, sehr geehrte Frau Monnsen-Engberding,

ich, der Unterzeichner, wende mich mit dieser Eingabe an Sie, weil ich gehört habe, dass bei der BPJS gegen das PC-Spiel Counterstrike ein Indizierungsantrag läuft. Ich möchte Sie bitten, bei Ihrer Entscheidung auch die Meinung derer zu berücksichtigen, die Sie schützen wollen. Wir spielen Counterstrike teilweise schon seit Jahren, in Clans und ungebunden, daheim und auf LAN-Partys, mit Freunden und Fremden. Viele von uns engagieren sich in der Counterstrike-Community, haben Internetseiten dazu erstellt und Clans gegründet. Für viele von uns ist Counterstrike zu einem wichtigen Freizeitinhalt geworden, über den wir neue Freunde gefunden haben. Ich spiele Counterstrike nicht, weil ich mich an der Gewaltdarstellung ergötzen will, sondern um des sportlichen Vergleichs willen. Meiner Meinung nach bewirkt die bloße Darstellung von Gewalt in diesem Spiel noch keine Jugendgefährdung, es geht auch um den Geist und den Kontext, in dem gespielt wird: ich sehe uns nicht als Killer, sondern als Sportler in einem neuen, elektronischen Medium.“[14]

Wie schon erwähnt wurde Counterstrike nicht indiziert, doch die Vorurteile und Schuldzuweisungen nahmen dadurch nicht ab.

10.3 Aktivitäten der Communitys

Nachdem nun einige Fakten und Daten zu den Vorurteilen und der Reaktion der Spieler darauf verdeutlicht wurden, soll nun etwas näher auf die Aktivitäten der Spieler eingegangen werden, die zeigen, das es sich auch bei Computerspielern um denkende kreative Menschen handelt, die ein hohes Maß an Realitätsbezug aufweisen. Wenn man sich auf den einschlägigen Seiten der verschiedenen Spiele umschaut, auf denen sich die Spieler austauschen und Neuigkeiten mitteilen, kann man vielerlei Aktivitäten beobachten. Es werden Beiträge und Storys geschrieben, Grafiken und Comics erstellt, karitative Aktionen organisiert, Vereine gegründet, die sich für mehr Medienkompetenz der Jugendlichen einsetzen, LAN-Partys organisiert oder die selbst umgebaute Hardware wird vorgestellt. Einige der gerade genannten Aktivitäten sollen nun etwas näher betrachtet und erklärt werden.

10.3.1 Foren und Storys

Auf fast jeder Spielerseite gibt es ein Forum, in dem man sich mit anderen Spielern austauschen kann, dort erfährt man Spieltips, Anleitungen zur Behebung von Problemen im Spiel oder anderen Komponenten seines Rechners. Es wird dort aber auch über alltägliche Probleme diskutiert, die Schule, Arbeit, Studium oder Beziehungen betreffen. Man philosophiert gemeinsam über Gott und die Welt, erfährt was andere Spieler für Musik hören oder welches Buch sie gerade lesen. Es wird auch über Politik diskutiert und in Form von Karikaturen, Witzen, Statements oder Bildern aus Nachrichtensendungen aus aller Welt Stellung zu aktuellen Themen bezogen, gerade George Bush ist immer wieder ein beliebtes Opfer humoristischer Darstellungen. Zu all den genannten Themen gibt es eigene Threads (Unterkategorien), in denen man anderen antworten kann oder man erstellt selbst einen Thread mit einem Thema, von dem man meint, dass es andere interessiert. In größeren Foren gibt es dann auch häufig Extrathreads für einzelne Bundesländer, das heißt man kann sich gezielt mit Leuten aus seiner Gegend austauschen.

Eine andere Form der schriftlichen Artikulation auf Webseiten sind Darstellungen über das jeweilige Spiel oder andere Themen die sich mit Hard- oder Software im weitesten Sinne beschäftigen. Gerade die spielbezogenen Darstellungen sind oft sehr kreativ, wenn es sich um fantasievolle, selbst geschriebene Hintergrundstorys zum Spiel handelt. Auf der Seite des Spiels ‚Diablo II’ findet man viele dieser Geschichten, da es sich hierbei um ein Spiel handelt, dass innerhalb einer ausgeklügelten Fantasiewelt handelt. Dabei werden Handlungsfäden weitergesponnen oder die Herkunft von verschiedenen Spielcharakteren erklärt. Auch wenn man keine Kenntnisse des Spiels hat, lesen sich die Texte sehr interessant.

„Die Druiden:

Im alten Folianten der Druiden, dem Scéal Fada, steht geschrieben, das Bul-Kathos, der große, alte König der Barbarenstämme, einen geheimnisvollen, aber zuverlässigen Vertrauten hatte, das als Ficla-Géar bezeichnet wurde. Dieser Mann wird manchmal als enger Freund Bul-Kathos beschrieben, manchmal als sein Bruder. … und daher scharte Fiacle-Géar zu der Zeit, als Bul-Kathos die Stämme einigte, eine kleine Gruppe um sich, die aus den größten Kriegern, Dichtern und Schamanen des Stammes bestand, und zog sich unter geheimnisvollen Umständen in den Wald um die als Scosglen bekannte Gegen herum zurück. Dort schufen er und sein Volk die erste Druidenschule, riesige Steintürme, ohne Mörtel erbaut, von Ranken überzogen und sicher unter den Blattbaldachinen des Waldes verborgen. Hier hausten sie seitdem und haben sich ein neues Leben aufgebaut. Sie schufen eine neue Kultur und Sprache, sagten sich von ihren barbarischen Vettern und deren Lebensweise los und schworen, erst wieder zu den Steppen des Berges Arreat zurückzukehren, wenn die Uileloscadh Mór gekommen war, der letzten Schlacht zwischen den Menschen der Welt und den Dämonen der Brennenden Hölle.“[15]

10.3.2 Grafische Darstellungen und Comics

Hierbei handelt es sich zum einen um Bilder die mit den verschiedensten Grafikprogrammen erstellt wurden, Fotomontagen aus Bildern oder zum anderen um selbst gezeichnete oder mit dem Computer erstellte Comics. Eine der bekanntesten Comicreihen sind die ‚Bender-Comics’, die das nicht immer ganz einfache Leben eines Counterstrikespielers darstellen, so hat er mit verschiedenen Schwierigkeiten zu kämpfen, die das Spiel betreffen, seine Unerfahrenheit im Spiel oder aber seine Mutter, die fast immer der Meinung ist, dass er zuviel spielt oder ihn schlichtweg nicht versteht. Außerdem kommt es immer wieder zu Vermischungen des Spielgeschehens und des realen Alltags. Die Comics sind meist auch voll mit spielspezifischen Ausdrücken, die es manchmal für Außenstehende etwas erschweren den Humor zu verstehen. Hierbei handelt es sich um einen der ersten Bendercomics.

[16]

Mittlerweile zeichnen über zweihundert Spieler ihre eigenen Versionen der Comics und der Bender ist ein fester Bestandteil der Counterstrikecommunity geworden.

Sehr beliebt sind auch Fotomontagen die Spielgeschehen und reale Welt verbinden, oft kann man sie unter das Motto stellen: Terroristen und Counterterroristen sind auch nur Menschen.

[17]

Außerdem gibt es noch Unmengen von witzigen Fotomontagen oder mit Grafikprogrammen erstellt Bilder, die mit Themen aufwarten, wie die Tücken und Fehler des Betriebssystems Windows, merkwürdigen Ebay-Artikeln, Fehlern aller Art, die man auf Webseiten, Zeitungen und Zeitschriften, Straßenschildern oder Werbeplakaten etc. findet oder die politische Themen haben.

Ein weiterer Bereich des kreativen Arbeitens, ist die Erstellung von Videoclips, die mit den einzelnen Spielen an sich zu tun haben und beeindruckende Leistungen einzelner Spieler mit Musik unterlegt zeigen, andere Spieler erstellen Videoclip mit einer richtigen Story, die dann in das Spielgeschehen eingebunden ist. Links zu solchen Videoclips findet man auf vielen Spielerseiten, z.B. auch auf www.cstrike.de.

10.3.3 Karitative Aktionen

Ähnlich den Spendenaufrufen in Fernsehen und Radio gibt es auch innerhalb der Spielercommunitys immer wieder mal Spendenaktionen. So haben es sich einzelne LAN-Party Organisatoren zu Vereinen zusammengeschlossen, die es sich zum Ziel machen Schulen und Behindertenheime durch die Ausstattung mit neuer Computertechnik zu unterstützen. Ein Beispiel dafür ist der Verein Beatnight LAN e.V., sie haben aus den Einnahmen mehrerer LAN-Partys eine Spende an eine Grundschule getätigt.

Der Verein Beatnight-LAN e.V. hat es sich laut eigenen Aussagen zur Aufgabe gemacht, Vorurteilen gegenüber PC-Spielern entgegen zu wirken: Die Organisation wolle die Einnahmen ihrer LAN-Partys für wohltätige Zwecke stiften: „Wir werden aus unseren Gewinnen PCs kaufen und diese dann an Schulen und Behinderteneinrichtungen in unserer Region spenden“, so der Erste Vorsitzende Marcus Winter.[18]

Die Grundschule Hohenhausen verfügt über zahlreiche Computer – allerdings handelt es sich dabei oft um veraltete Modelle. Nun freuen sich die Kinder über einen modernen Rechner, auf dem auch die neuesten Lernprogramme problemlos laufen. Stefan Osthof, Vorsitzender Marcus Winter und Klaus Brinkmann vom Verein „Beatnight-LAN Kalletal“ übergaben den PC samt zwei neuwertigen Monitoren jetzt an Schulleiter Heinz-August Kixmüller. Bei der Gründung des Vereins machten es sich die 16 Mitglieder zum Ziel, die Einnahmen aus so genannten Lan-Partys für gemeinnützige Zwecke zu spenden. … Die Schirmherrschaft dieser Aktion übernahm Jan Hegenberg, der sich als Musiker in der so genannten „Gamer-Szene“ einen Namen gemacht hat. „Wir wollen mit diesen Engagement zeigen, dass wir Menschen sind, deren Welt nicht hinter dem Bildschirm endet, und dass wir auch soziale Verantwortung ernst nehmen.“ betont der Wittener.“[19]

Auch die Community des Spiels ‚Diablo II’ hat im Frühjahr des Jahres 2004 einen Spendenaufruf gestartet. Als Anreiz für die spendenden Spieler wurde am Ende der Aktion ein hochleveliger Spielcharakter verlost. Die Spendenaktion lief ca. 3 Wochen und es kamen 2119,87 Euro zusammen. Im Anhang der Arbeit findet man auch die Spendenbestätigung der Organisation UNICEF.[20]

Jedoch gibt es auch Aktionen von Hardwarehersteller, die der Unterstützung von Forschungsprojekten dienen. So hat z.B. das Unternehmen Nvidia in Zusammenarbeit mit den Herstellern des Spiels ‚Unreal Tournament’ eine Aktion gestartet, an der unter anderem auch Hochschulen teilnehmen können und damit die Möglichkeit haben, PCs für ihre Institute zu gewinnen.[21]

10.3.4 LAN-Partys und Vereine

Ein weiterer Bereich in dem Spieler aktiv werden, ist die Organisation von LAN-Partys. Bei einer LAN-Party treffen sich mehrere Spieler und vernetzen ihre Computer um gemeinsam zu spielen. Während kleinere LAN-Partys im Freundeskreis organisiert werden, gibt es einen stetigen Trend zu immer größer organisierten Partys. Die größte LAN-Party Deutschlands wurde am Wochenende vom 17.-19.Dezember 2004 in Neumünster organisiert.[22] Ca. 3160 Computerspieler trafen sich an diesem Wochenende auf der Northcon in den Holstenhallen.[23] Das beeindruckende an einer so großen Veranstaltung ist, wie friedlich so viele Leute mit einander umgehen und das obwohl häufig Ego-Shooter gespielt werden und auch Alkohol konsumiert wird, da seit dem neuen Jugendschutzgesetz die meisten LAN-Partys nur von Personen über 18 Jahren besucht werden. Eines der Vorurteile gegenüber LAN-Partys ist, dass das ganze Wochenende ‚nur’ gespielt wird und keine Kommunikation gepflegt wird, wie es eigentlich auf einer Party sein sollte. Natürlich macht das Spielen einen großen Teil der Party aus, vor allem weil auf LAN-Partys regelmäßig Turniere der verschiedensten Spielkategorien ausgetragen werden. Doch ist es jedem Besucher selbst überlassen in welchem Umfang er spielt. Das Rahmenangebot auf der Northcon beispielsweise, war sehr umfangreich, es gab die verschiedensten Spielangebote ohne Computer, z.B. Tauziehen, Kickern, Live-Musik, Karaoke, Themen-Jeopardy, eine abgewandelte Form von ‚Wer wird Millionär’ (mit computerspezifischen Fragen) und Bingo. Bei den verschiedenen Spielen konnte man hochwertige Preise, wie Prozessoren, Grafikkarten und Computerspiele gewinnen. In verschiedenen Bereichen waren auch Sofagruppierungen aufgestellt, es gab einen Bierwagen mit Stehtischen und einen großen Cateringbereich, dort konnte man sich dann gemütlich hinsetzen und mit Freunden reden oder gemeinsam ein Bier trinken. Die Northcon hatte also alles was eine gute Party braucht und nebenbei kann man sich auch noch seinem Hobby widmen und spielen. Gerade diese großen LAN-Partys sind ein Highlight, da man alte Freunde wieder trifft, die vielleicht weiter entfernt wohnen.

Ein weiterer Bereich der aktiven Aktionen der Computerspieler ist die Gründung von Vereinen zur Förderung der Jugend in den neuen Medien. Im letzten Jahr sind mehrere dieser Vereine entstanden, zwei davon möchte ich kurz vorstellen.

Beachstrike e.V. – Verein zur Förderung in den neuen Medien – bei diesem in Lübeck ansässigen Verein handelt es sich um eine Personengruppe, die schon länger LAN-Partys veranstaltet. Der Verein besteht seit 2004 und die Initiatoren sind bemüht, Personen, die nicht versiert sind im Umgang mit den neuen Medien, diese näher zu bringen. Dabei geht es ihnen um den spielerischen Umgang mit dem Medium Computer, sowie die Schulung und Unterstützung von Personen, die ansonsten keinen Zugang zu diesen Medien haben. Der Verein ist politisch und konfessionell neutral und legt großen Wert im Rahmen der Vorgaben des Jugendschutzgesetzes und der BPjM zu agieren. Er präsentiert sich auf der eigenen Internetseite und bietet durch ein Forum eine Plattform zum kennen lernen und Fragen zu besprechen.[24]

Team-Mad e.V. – Verein zur Förderung der Jugend in den neuen Medien – dieser Verein hat seinen Sitz in Preetz (bei Kiel) und die Gründer des Vereins sind bemüht, zum einen durch das Ausrichten von LAN-Partys, Jugendliche an die neuen Medien heranzuführen, zum zweiten jedoch aber auch Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und mit Personen ins Gespräch zu kommen, die den neuen Medien gegenüber ablehnend eingestellt sind. Bei ihrer letzten LAN-Party hatten sie ein Berufsberatungsteam der Telekom eingeladen, das interessierte Personen über mögliche Lehrberufe im Telekommunikationsbereich informierte, dieses Angebot wurde von vielen Teilnehmern der Party genutzt, ein anderes Angebot war eine Beamerpräsentation und ein Webseitenkontest, bei dem die Besucher zeigen konnten, welche Kenntnisse der entsprechenden Programme sie besitzen.. Außerdem ist es geplant eine Gesprächsrunde zu organisieren zu der unter anderem auch Professoren, die sich mit diesem Bereich der Jugendentwicklung beschäftigen, eingeladen werden sollen.[25] Der Verein engagiert sich auch bei dem Projekt „Aktion gegen illegale LANpartys U18“[26], dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, besonders darauf zu achten, dass bei LAN-Partys mit Teilnehmern unter 18 Jahren strikt auf die gesetzlichen Vorgaben geachtet wird und dass Partys, die den Vorgaben nicht nachkommen nicht mehr auf den einschlägigen Seiten beworben werden dürfen.

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[1] http://www.wwcl.net/ (Stand 26.12.2004)
[2] Vgl. Süddeutsche Zeitung zitiert nach http://www.piranho.com/home/boards/16,37530.html (Stand 26.12.2004)
[3] Vgl. FAZ zitiert nach http://www.heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/meldung/27065&words=Erfurt%20Schulm%E4dchen (Stand 26.12.2004)
[4] Der Spiegel 18/2002, S. 83
[5] Hamburger Abendblatt April 2002, zitiert nach: http://www.yogies-crossbuster.de/amoklauf.htm
[6] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12432/1.html (Stand 26.12.2004)
[7] Vgl. http://www.computec.de/
[8] http://www.clanforen.de/clanforen/showthread.php?t=31465 (Stand 26.12.2004)
[9]http://www.heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/meldung/27065&words=Spieler%20Kritiker%20Computerspielen
[10]http://www.heise.de/newsticker/result.xhtml?url=/newsticker/meldung/27065&words=Spieler%20Kritiker%20Computerspielen
[11] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12432/1.html
[12] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12432/1.html
[13] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12432/1.html
[14] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12162/1.html (Stand 26.12.2004)
[15] http://diablo2.ingame.de/ (Stand 26.12.2004)
[16] http://www.cstrike.de/ (Stand 26.12.2004)
[17] http://www.cstrike.de/ (Stand 26.12.2004)
[18] http://www.pcaction.de/?article_id=208160 (Stand 26.12.2004)
[19] Lippische Landes-Zeitung Dezember 2004, zitiert nach: http://www.beatnight-lan.de/imdex.html (Stand 26.12.2004)
[20] Anlage 2
[21] http://www.unrealtournament.com/news/view.php?id=2365 (Stand 26.12.2004)
[22] http://www.northcon.de/ (Stand 26.12.2004)
[23] http://www.kn-online.de/news/archiv/?id=1560181 (Stand 26.12.2004)
[24] www.beachstrike-ev.de (Stand 26.12.2004)
[25] www.team-mad.de (Stand 26.12.2004)
[26] www.lanparty.de (Stand 26.12.2004)

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